Ganz schön groß: Aug in Aug mit dem Wollhaarmammut.

Das löst schon ganz schön Respekt ein! Meine Tochter steht vor einem Mammut und schaut ihm i die kleinen schwarzen Knopfaugen. Sie sind kaum zu erkennen in den dichten dunkeln Fell und oberhalb der riesigen, leicht gebogenen Stoßzähnen. Der massige Bursche, übrigens ein Wollhaarmammut, steht im Eiszeitmuseum in Nienthal nahe Lütjenburg. Von nebenan winkt ein Höhenbär und macht ebenfalls keinen sehr entspannten Eindruck. Treffen möchte ich weder den einen noch den anderen Zeitgenossen. Apropos Zeitgenosse: Zum Glück sind diese Tiere schon lange ausgestorben. Sie stammen auf der Eiszeit, so wie die anderen Exponate hier im Erdgeschoss. Dort hoppelt ein Schneehase herum – nur, dass er eingefroren scheint (er ist natürlich ausgestopft). Ein Jäger steht neben seinem Zelt, ein anderer kriecht auf allen Vieren auf dem Boden herum, um seine Beute zu täuschen. So haben sie vor 2.000 Jahren wohl ihre Nahrung beschafft.

Klamottenvergleich: Meinem Sohn wäre die Kleidung des Jägers vor 2000 Jahren wohl zu kalt.

Eine Zeitreise der ganz anderen Art können die Kinder hier ebenfalls erleben. Obwohl, für sie ist das Steine-vergleichen eher eine Art Memory-Spiel. Welcher Stein passt zu welchem Bild? Dass etwa der Sörmland-Gneis rund 1,9 Milliarden Jahre alt ist und die Flintsteine, die es je zum Beispiel in Hohenfelde wie den sprichwörtlichen Sand am Meer gibt, bis zu 65 Millionen Jahre, ist ihren eigentlich egal. Für uns Größeren gibt es einen Zeitstrahl an der Wand, der die Steine den unterschiedlichen Erdzeitaltern zuordnet. Die in den Vitrinen ausgestellten Fossilien wie Ammoniten begeistert dann auch wieder die Kinder. Warum? Keine Ahnung, vielleicht sind die Teile des Kopffüßers für sie greifbarer und aufregender als die Steine, die sie jeden Tag am Strand finden.

Einmal vergleichen bitte: Die Kinder können selbst herausfinden, welche Steine hier liegen.

Im zweiten Stock können die Kinder selbst Hand anlegen. Für einen Aufpreis erhalten sie eine Klumpen Gips, Nägel, Hammer und Schutzbrille und können herausarbeiten, was sich dort verbirgt. Danach erhalten sie ein Buch, in dem sie so lange blättern, bis sie ihren Schatz gefunden haben. Wir besitzen jetzt einen Armfüßler und einen Ammoniten. Außerdem steht das Obergeschoss im Zeiten der Mineralien und Geschiebe der Eiszeit. Große Gefäße enthalten Steine, Kies und Sand verschiedener Körnung. Davor stehen große Kisten, in denen die Kinder herumwühlen und so selbst die unterschiedliche Struktur ertasten können. Schon verrückt, wie fein sich mancher Sand anfühlt.

Tatsächlich lassen sich die Kinder auch noch zu einem Lehrfilm überreden. Hier geht es nicht nur um Steine, Erdgeschichte und Moränen. Das passt gerade, denn in der Grundschule ist die hügelige Landschaft hier an der Ostseeküste Thema. Gletscher haben Steine und Geröll hierher geschoben – daher auch der Begriff „Geschiebe“ – und ihn als hügelige Haufen liegen lassen. In so einer Moräne liegt auch Nienthal (der Ort für das Museum ist also nicht ganz zufällig gewählt). Ein Model im Eingangsbereich – gleich neben dem Café – zeigte ebenfalls, wie so eine Endmoräne aufgebaut ist.

  • So werden wohl die Jäger von 2.000 Jahren ausgesehen haben.

Tipp: Nach dem Besuch im Museum könntet ihr noch zum Hessenstein fahren. Von hier oben habt ihr einen tollen Blick über die Moränenlandschaft. Der Grundlose See ist übrigens auch ein Überbleibsel aus der Eiszeit, ein Toteisloch.

Öffnungszeiten + Preise:
Oktober – April: Di – So, 11 – 17 Uhr
Mai – September: täglich 10 – 18 Uhr
Kinder 2 €, Erwachsene 4 €, Hunde 0 €
Gruppen ab 10 Personen erhalten 0,50 € Rabatt pro Person auf den Eintrittspreis

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