Das haben wir gesehen in 36 Stunden:
Leuchtturm
Basstölpel & Trottellummen
Lange Anna
Nordstrand
Museum
Düne und Seehunde
Spielplatz am Südstrand
Knieperfischer

Übers Wochenende fuhren wir nach Helgoland. Einen Tagesausflug fanden wir doof, deswegen haben wir beschlossen, zumindest eine Nacht auf Deutschlands einziger Hochseeinsel zu verbringen. Wir – meine Freundin mit ihrer Tochter und ich mit meinen beiden Kindern – haben uns in der Jugendherberge eingebucht. Da waren wir schon öfter und finden es super dort. Nicht nur, weil sie direkt am Nordstrand liegt, sondern auch weil sowohl die Zimmer als auch die Aufenthaltsräume nett sind. Es gibt einen Toberaum, ein Spielzimmer für kleine Kinder und auch einen kleinen Spielplatz vor der Tür. Vom großen Aufenthalts- und Speiseraum aus blickt man direkt aufs Meer – fast bis nach England 🙂

Morgens fuhren wir mit der Fähre aus Büsum los. Damit uns während der Überfahrt, die gut drei Stunden dauert, nicht langweilig wird, haben wir Spiele gespielt, gemalt, die Kinder haben sich im Bällebad vergnügt und wir haben natürlich Kaffee und Butterbrezel im Bordrestaurant gekauft. Das Handy blieb aus – auf dem Meer gibt es keinen Empfang.

Gegen Mittag fingen die Kinder aufgeregt an, auf und ab zu hüpfen. Am Horizont tauchte die Hochseeinsel als dunkler Schatten auf. Langsam wurde sie größer und bald sahen wir auch die vorgelagerte Düne. Mit lautem Tönen des Schiffshorns machte der Kapitän auf seine Ankunft aufmerksam. Schon begannen die Börteboote auszurücken. Die großen Kähne bringen die Gäste von den Fährschiffen an Land – machmal sind das ganz schön waghalsige Manöver und nicht zum ersten Mal fragte ich mich, wie eigentlich Rollstuhlfahrer an Land kommen.

1. Tag: Oberland und Nordstrand

Für den ersten Tag hatten wir uns den Besuch des Oberlands vorgenommen. Auf den hohen, roten Felsenklippen brüten Trottellummen und Basstölpel. Nachdem wir unsere Zimmer in der Jugendherberge bezogen haben, rollern beziehungsweise wandern wir (die Kinder haben ihre Roller mitgenommen) zuerst in den „Ort“, also dorthin, wo die meisten Geschäfte im Unterland sind. Von hier nehmen wir den Fahrstuhl ins Oberland. Natürlich könnten wir auch die Treppe nehmen, haben aber keine Lust, die Roller hochzuschleppen. Die Fahrt kostet 60 Cent für Erwachsene – das können wir gerade noch verschmerzen. (Es gibt übrigens auch 10er-Karten…) Oben angekommen, geht es durch schmale, dicht bebaute Straßen Richtung Leuchtturm. Die Häuser hier auf Helgoland sind schon eine Besonderheit. Als besonders reizvoll würde ich die 70er-Jahre Architektur nicht bezeichnen. Aber was blieb den Helgoländern übrig, nachdem ihre Insel fast platt gemacht worden war? Sie mussten ja irgendwie Wohnraum für ihre Einwohner schaffen…

Oben führt uns – und zahlreiche weitere Tagesgäste – ein mit roten Ziegelsteinen gepflasterter Weg vom Leuchtturm bis zu den Klippen, auf denen die Vögel brüten, sowie weiter zur Langen Anna und zur Treppe zurück nach unten. Die Basstölpel brüten zumeist in den Felsspalten. An einigen Stellen des kleinsten Vogelreservats der Welt sitzen die weiß-gelben Vögel jedoch so nahe am zäun, dass sie wirklich nur eine Armlänge entfernt sind. Und: Sie stinken. Es riecht extrem nach Vogelkot! Also geht es nach ein paar Fotos weiter zur Langen Anna – die ebenfalls weiß befleckt ist, weil hier Vögel brüten. Den Kinder wird das Anschauen von Vögeln und Felsen irgendwann zu langweilig. Auch die Schafe, die hier oben frei herumlaufen, wollen nicht zum Kuscheln kommen. Also rennen die Kids in den ehemaligen Sprengkratern herum, lassen sich die Böschung herunterrollen und spielen Verstecken – na ja, hierbei gibt es nicht so viele Optionen, also wird das schnell aufgegeben.

Runter geht’s die steile Treppe, die das Oberland mit dem Nordstrand verbindet. Für Menschen mit Höhenangst – mich also .) – ist sie schon eine Herausforderung. Aber ich halte mich einfach am Geländer fest und wage mutig wie Reinhold Messer den Abstieg. Die Kinder schultern maulend ihre Rollen und traben hinterher. Leider ist das Baden am Nordstrand verboten. Aber der lange, breite Strandabschnitt bei der Jugendherberge ist wunderschön und zum Toben, Rennen, Sachen suchen (wie Meerglas), Sandburgen und Steinmännchen bauen ideal geeignet. Mit ein paar Snacks und Getränken verbringen wir die Stunden bis zum Abendessen hier. dann geht es zurück in die Jugendherberge zum Abendessen.

  • Abfahrt in Büsum
2. Tag: Düne und Südstrand

Am nächsten Morgen geht es gleich nach dem Frühstück Richtung Landungsbrücke. Von hier wollen wir mit der Witte Kliff zur Düne übersetzen. Kurz halten wir am Museum und schauen die Ausstellung auf dem Außengelände an. Viel zu sehen gibt es auf dem sogenannten Museumshof für Kinder nicht. Die bunten Hummerbuden-Ateliers und der süße Leuchtturm-Nachbau sind geschlossen. Wären sie offen, könnten wir etwas über James Krüss – der hier gelebt und geschrieben hat – erfahren oder auch über die Arbeit der Seenotretter. So schauen wir uns die alte Fliegerbombe an, erklären den Kindern, dass Helgoland im zweiten Weltkrieg solche Dinger auf den Kopf bekommen hat, und sehen uns die geologische Zeitgeschichte der Insel sowie den „gefallenen Helden“ Dr. Carl Peters an. Dessen Büste liegt hier ebenfalls herum. Sie ist als Mahnmal gedacht, denn dem Kolonialisten verdankt Helgoland zwar seine Zugehörigkeit zu Deutschland. Peters galt aber als Rassist und war offen gewalttätig. Kein guter Wesenszug – weder damals noch heute. (Bei Wikipedia gibt es mehr zu Peters.)

Weiter geht’s zur Landungsbrücke, wo wir uns Fahrkarten für die Dünenfähre kaufen. Die fährt Besucher alle 30 Minuten zur Düne hinüber beziehungsweise auch wieder zurück. Die relativ kleine Fähre schaukelt ganz schön bei der Überfahrt – aber nicht zu schlimm. Es spritzt nur ein bisschen Gischt aufs Dach. Der Weg vom Landungssteg zum Strand dauert nur ein paar Minuten. Dann stehen wir am feinen Sandstrand der Düne, auf dem nicht nur halbnackte Menschen, sondern auch fellige Seehunde und Robben herumliegen. Schon verrückt, dass die sich kaum von den Strandwanderern stören lassen. Natürlich soll man Abstand halten – oft ist das aber kaum möglich. Und die Tiere sind neugierig. Am Badestrand taucht zur Begeisterung der Kinder immer wieder mal ein Robbenkopf aus dem Meer auf.

Essen kann man übrigens im Dünenrestaurant. Hier gibt es unter anderem leckere Pommes und Eis am Stiel. Hier ist auch die Toilette.

Nach gut einer Stunde machen wir uns wieder auf den Weg zur Fähre, die uns zur Hauptinsel zurückbringt. Hier wollen die Kinder unbedingt noch auf dem neugestalteten Abenteuerspielplatz toben. Der ist wirklich großartig mir vielen Balancierstangen, Kletternetzen, Schaukel- und Wippelementen, Rutschen und natürlich auch Schaukeln und Co für die Kleinsten. Danach ist den Kindern warm und sie müssen unbedingt noch mal baden gehen. Dein Problem. Die Badesachen haben wir ja eh dabei und am Südstrand ist Baden erlaubt. Als Dauergast auf Helgoland weiß ich: Ist das Wasser hoch genug, nutzen die Kinder die Landungsbrücke als Sprungturm. Ob das erlaubt ist? Keine Ahnung. Weggeschickt wurde noch niemand.

Auch hier an den Landungsbrücken gibt es Toiletten (Gebühr: 50 Cent). Wer noch etwas aushalten kann und kein Geld dabei hat, läuft schnell um die Ecke zur Bücherei. Hier sind die Toiletten kostenlos.

Anschließend müssen wir Großen natürlich noch an den Hummerbuden vorbei schlendern und uns etwas Leckeres zu essen kaufen. dazu setzen wir uns an die Holztische und sehen dabei den ankommenden Schiffen zu. Gerade kommt ein Börteboot an. Der Fischer hat Knieper gefangen. Netterweise dürfen sich die Kinder die Taschenkrebse, deren Scheren eine Delikatesse sind, mal genauer ansehen.

Ein Blick auf die Uhr verrät uns, dass wir leider aufbrechen müssen. Wir sammeln unsere Koffer ein (man kann sie in der Jugendherberge abholen lassen; sie werden dann im Büro der Dünenfähre gelagert) und stellen uns in die Schlange der Touristen, die ebenfalls wieder aufs Festland müssen. Ein letztes Mal werden wir ins Börteboot hinein- und an der Fähre aus dem Börteboot herausgehievt. Bald legt die Funny Girl ab. Ein letzter Blick zurück. Wir winken. Tschüs, bis bald!

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