„Iih, wie eklig! Eine Qualle!“ – Das ist wohl die häufigste Bemerkung, die Menschen machen, wenn sie am Strand eine angespülte Qualle sehen, oder wenn sie sie beim Schwimmen flüchtig mit einem Arm oder Bein berühren. Für die meisten Menschen ist es auch das einzige Gefühl, was sie mit diesen feuchten, wabbeligen Urzeittieren verbinden. Denn es gibt sie bereits seit über 600 Millionen Jahren. Seit damals das Leben in den Urozeanen entstanden ist.

Aus dem Meer an den Strand gespült sehen sie wirklich unattraktiv aus. Doch von unter Wasser aus betrachtet, können sie ihre wahre Schönheit zeigen. Sie sehen mit dem großen, runden Schirm und den langen Tentakeln ein bisschen wie Regenschirme aus. Langsam und rhythmisch bewegen sie sich durchs Wasser, ihre langen Tentakel ziehen sie dabei wie einen langen Schleier hinter sich her. Wimpern am Rand ihrer Schirme leuchten in Regenbogenfarben. Sie treiben sanft umher wie elegante und stolze Wesen aus einer Märchenwelt, die doch die Unsere ist.

Darf ich vorstellen….
In unseren Meeren leben die bekannten Ohrenquallen mit den vier Kreisen auf der Schirmoberseite (Aurelia aurita), die Blauen Nesselquallen (Cyanea lamarckii) und die Gelben Feuerquallen (Cyanea capillata). Kompassquallen (Chrysaora hysoscella) leben meist in größeren Meerestiefen der Nordsee oder im Kattegat, wo der Salzgehalt des Meerwassers hoch ist. Die auffälligen, radiär angeordneten, bräunlichen Streifen auf dem Schirm erinnern an eine Kompassrose.

Eine Sonderrolle nimmt die hübsche, aber seltene Becherqualle (Haliclystus octoradiatus) ein. Sie ist eine blütenförmige, fingernagelgroße Schirmqualle, die sich mit einem gallertigen Stiel an Algen und Seegras festhalten kann. Am Schirmrand befinden sich acht Büschel mit kurzen Tentakelarmen.

In Nord- und Ostsee leben auch Rippenquallen, die zoologisch betrachtet, keine echten Quallen sind, weil ihnen die charakteristischen Nesselkapseln fehlen. Eine kleine Rippenquallenart, die Seestachelbeere (Pleurobrachia pileus) und eine größere Art, die Meerwalnuss (Mnemiopsis leidyi) treiben in unseren Meeren. Letztere ist im Jahr 2006 mit dem Ballastwasser von Handelsschiffen aus Nordamerika eingewandert. Alle Quallen gehören zur Tiergruppe des Planktons. Also zu den Tieren, die sich im Wasser nur wenig aktiv fortbewegen können, und überwiegend von der Meeresströmung vertrieben werden.

Ungewöhnlich ist, dass an manchen Sommern nur wenige Quallen zu sehen sind. Eine Vermutung ist, dass Futtermangel die Ursache ist. Die Vorstufen der freischwimmenden Medusen sind auf Steinen festsitzende, kleine Polypen. Sie benötigen ausreichend kleine Zooplanktontierchen als Nahrung, um sich weiter zu Medusen entwickeln zu können. Aufgrund der kühlen Witterung war vermutlich zu wenig Plankton im Meer.

Erste Hilfe bei Berührung mit Feuerquallen
Für die Menschen an Nord- und Ostsee sind nur die Feuer- oder Nesselquallen gefährlich. Nach Kontakt brennt die Haut so sehr, als wäre sie mit Brennnesseln in Berührung gekommen. Unzählige Nesselkapseln befinden sich an den Tentakeln und am Schirmrand. Die Kapseln sind mit einer giftigen Flüssigkeit gefüllt und enthalten einen aufgewickelten Schlauch und manchmal auch eine Art Stilett. Bei Berührung schleudern sie ihrer Beute den Schlauch mit dem Gift entgegen. Mit Hilfe von Meersand, Rasierschaum oder einer Plastikkarte können die Kapselreste am schnellsten wieder von der Haut entfernt werden.

Wenn die Tage kürzer werden und das Meer sich abkühlt, schlüpfen aus den Eiern der weiblichen Quallen Larven, die sich im Herbst zu millimeterkleinen, bäumchenförmigen Polypen entwickeln. Diese verbringen den Winter festsitzend auf Steinen. Erst im Frühjahr, wenn das Wasser wärmer wird, trennen sich von jedem Trieb viele kleine Babymedusen ab, die ins freie Wasser hineinschweben.

Auch wenn es diesen Sommer wenige dieser faszinierenden Lebewesen gibt, so findet man sie doch gelegentlich an manchen Stellen entlang der Küsten. Der ein oder andere Urlauber oder Norddeutsche hat sie vielleicht auch schon ein wenig vermisst? Noch ist das Wasser der Nord- und Ostsee so warm, dass man sich auf die Pirsch machen kann, bewaffnet mit Flossen, Schnorchel und Maske, um die besonderen Schönheiten unter Wasser live zu erleben.

(Dieser Artikel ist im Sommer 2017 auch in der Nordwarte erschienen.)

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