Schlösser und Kinder – das passt nicht. Denkste! Das Wasserschloss Glücksburg (nahe Flensburg) hat sich voll und ganz auf kleine Gäste eingestellt. Neben einem eigenen Audio-Guide gibt es eine spezielle Märchenausstellung für Kinder. Und wer es bis in den Turm hinauf schafft, findet vielleicht sogar den schreinernden Mann auf dem Klo.

Ganz schön alt und noch ziemlich gut in Schuss: das Schloss Glücksburg. (Foto/Filme: A. Wimber)

„Warum steht das große Haus da im Wasser?“, fragt meine Tochter, kaum das wir um die Ecke biegen. Na ja, so ganz steht der viereckige weiße Bau mit den vier Türmchen ja nicht im Wasser – immerhin führt eine feste Brücke hinein. Schon die alten Kopfsteine verraten, wie lange es her ist, dass der Weg zum Schloss gebaut wurde. Vor rund 400 Jahren (1582) beschloss der vierte Sohn des dänischen Königs Christian III. auf dem Gebiet, auf dem Zisterziensermönche eine Klosteranlage gebaut hatten, ein Schloss zu errichten. Warum es mitten im Schlossteich steht? Keine Ahnung – besonders gesichert werden musste das Schloss nicht. Krieg herrschte gerade mal nicht.

Beim Bau ließ Johann (Hans) der Jüngere übrigens einen großen Zuteil der Rohstoffe, die beim Rückbau des Klosters anfielen, wiederverwenden. Recycling gab’s also schon im Mittelalter. Ist ja auch klar. Schließlich mussten Rohstoffe – wenn sie vor Ort nicht zufällig vorhanden waren – erst mühsam und langwierig über lange Strecke herangeschafft werden. Johann begründete 1564 das Herzogtum Schleswig-Holstein-Sonderburg, das zu Beginn in Schleswig die Ämter Sonderburg und Norburg sowie in Holstein das Amt Plön und das Kloster Ahrensbök umfasste. 

Als Hans der Jüngere starb, erbte sein zweitjüngster Sohn Phillip Glücksburg erhalten sollte. Seine anderen fünf noch lebenden Söhne (er hatte insgesamt 23 Kinder, wovon 13 überlebten – sechs Söhne und sieben Töchter) erbten ebenfalls Teile seines Herzogtums. Wie das immer so ist, wurden Schloss und Titel an die nachfolgenden Söhne weitervererbt. Diese heirateten mal in dänische, mal in deutsche Herzogtümer ein, sodass irgendwann ein verworrener Stammbaum von Herzogtümer bildet, deren Teile sich sogar in England, Russland und im dänischen Königshaus wiederfinden. Bis heute gehört das Schloss dem Herzog von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg – der heißt Prinz Christoph. Damit ist diese die einzige heute noch bestehende Herzogslinie in Schleswig-Holstein. 

Ich finde ja, dass Audio-Guide eine tolle Art sind, ein Museum zu besuchen. Da muss man nicht lesen 🙂 Das finden meine Kinder nämlich total doof. Als große Freunde von Hörspielen ist deshalb des spezielle (natürlich kostenfreie) Audio-Guide* für Kinder für sie genau das Richtige. Erpel und die Prinzessin Luise Caroline Elisabeth Feodora führen die kleinen Besucher durch das Schloss. Sie erzählen von der Geschichte des Schlosses, erklären einzelne Räume oder das Wappen erläutert und haben dazu noch lustige Geschichten aus dem Alltag der Herzöge und Prinzessinnen zu berichten. Wir Erwachsenen stehen daneben und hören uns unseren Audio-Guide an.

Natürlich kann man auch an Führungen speziell für Kinder teilnehmen. Eine Märchenführung gibt es für 6 Euro und auf Anfrage ebenfalls. In Iden Sommermonaten (Juli und August) gibt es montags um 11 Uhr eine Kids Tour. Die kostet für Kinder ebenfalls 6 Euro (und den regulären Eintrittspreis für Erwachsene).

Eine Märchenausstellung wurde (im Märchenturm) ebenfalls speziell für Kinder konzipiert. Hier können die jungen Museumsbesucher die Märchen der Brüder Grimm entdecken – genauer: den Froschkönig, Frau Holle, das Aschenputtel, Schneewittchen, Hänsel und Gretel, Rotkäppchen und Tischlein deck dich.

Und wer es in einen anderen der öffentlich zugänglichen Türme schafft – der Weg dahin ist etwas schwierig zu finden – wird sich über ein ganz bestimmtes Schild freuen. Rechts neben dem großen Elchkopf hängt ein Messingschild an der Wand, das ausdrücklich das Öffnen der danebenliegenden Tür erlaubt. Meine Tochter traut sich – natürlich erst, nachdem ich mich fast zu Tode erschreckt habe!

Spoiler: Hier sitzt einer auf dem Klo und schreit dich an!

(Im Schloss herrscht Kamera-Verbot, deswegen gibt es leider nur wenige Bilder…)

Wichtig zu wissen:
Adresse:
Stiftung Schloss Glücksburg
24960 Glücksburg
Telefon: +49 (0) 46 31 - 44 23 30

Öffnungszeiten:
24.04.2021 und 25.04.2021 von 12 Uhr bis 17 Uhr; aktuelle Öffnungszeiten bitte hier erfragen: https://www.schloss-gluecksburg.de/das-schloss/eintritt-und-oeffnungszeiten

Preis(e): 
Familienkarte 1 - 2 Erwachsene inkl. aller Kinder bis zu 16 Jahre: 19 Euro
Erwachsene ab 16 Jahre: 9 Euro
Schüler: 6 Euro

Internet: https://www.schloss-gluecksburg.de/kinderprogramme
  • Audio-Guide gibt es aktuell aufgrund der Corona-Pandemie und aus hygienischen Gründen nicht.

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