Probsteier Bohlenspeicher: Die letzten ihrer Art

In der Probstei stehen noch acht Bohlenspeicher – die aus slawischen Zeiten stammen Bauwerke gelten als Kulturgüter.

Der größte dieser ehemaligen Kornspeicher gehört Ute und Ulrich Glüsing. Sie haben den Bohlenspeicher auf ihrem Grundstück in der Stakendorfer Dorfstraße in Krummbek restauriert und wurden deshalb mit dem Denkmalpflegepreis 2014 ausgezeichnet. Früher standen die Lagerhäuser auf so gut wie jeder Hofanlage, auch in den 1930er Jahren lassen sich noch „reichlich viele“, wie Dr. Berthold Köster vom Landesamt für Denkmalschutz erklärt, nachweisen. Doch bevor sie vom Denkmalschutz entdeckt wurden, waren schon viele zerfallen.

Immer gleich aufgebaut
Die typische Bauweise besteht aus einem Viereck von ungefähr gleich großen Findlingen, auf denen eine Schwelle liegt. Im Abstand von einem Meter stehen die Wandpfosten darauf. Auf diesen liegt der rund herum laufende Rähm – das ist der obere waagerechte Abschluss einer Fachwerkwand beziehungsweise Holzrahmenkonstruktion. Die Balken des Dachstuhls liegen darauf und ragen etwa einen halben Meter über die Wände hinweg. So wurde ein verhältnismäßig breiter Dachüberstand geschaffen. Auf den Dachbalken liegt Stroh. Die Pfosten stehen für sich. Sie sind, wie oft bei Fachwerkbauten üblich, durch Querriegel unterteilt oder durch Streben versteift. In die dadurch entstehenden Fächer werden die Eicherbohlen, die dem Speicher seinen Namen geben, eingelassen. Dabei können die Bohlen unterschiedlich breit sein, je nachdem wie der Baum geartet war der das Material lieferte. Die Bohlen werden von oben her in die Nuten der Ständer geschoben – ähnlich wie heute beim Parkett verlegen. Dabei greift die untere in die Nut der Schwellen, die obere in eine Nut im Rähm. Die Bohlen an sich greifen ebenfalls ineinander. So entsteht eine stabile und vollkommen dichte Wand. Sogar Ratten, Mäuse und andere Nager hatten bei dem harten Eichenholz keine Chance.

Wiebke Wiese aus Barsbek, auf deren Grundstück ein Bohlenspeicher steht, erzählt, dass vermutet werde, dass die Eichenstämme aus Skandinavien stammen. Sie wurden an Handelschiffen festgemacht, die sie dann durch die Ostsee schleppten. „Deswegen sind sie so haltbar und gut isoliert“, sagt Wiese. „Es gab durchaus Hölzer, die geflößt wurden“, bestätigt Köster. „Allerdings konnte ich bei meiner umfassenden dendrochronologischen Untersuchung nicht nachweisen, dass es solche Hölzer in den Bohlenspeichern der Probstei gibt.“ Dendrochronologie ist eine Datierungsmethode, bei der die Jahresringe von Bäumen anhand ihrer unterschiedlichen Breite einer bestimmten, bekannten Wachstumszeit zugeordnet werden.

Häuschen mit Historie
Der Bohlenspeicher auf Wieses Grundstück hat ein wenig von seiner traditionellen Bauweise eingebüßt. Während der großen Flut 1872 wurde der Bohlenspeicher, der bis dahin an der südwestlichen Seite des Haupthauses stand, aufgeschwemmt und über die ganze Breite des Hauses hinweg bis auf die andere Grundstücksseite getragen. Die Sturmflut ereignete sich vom 12. auf den 13. November 1872 und ist das schwerste bekannte Sturmhochwasser der Ostsee. Der höchste gemessene Scheitelwasserstand betrug etwa 3,30 Meter über Normalnull. „Die Ostsee kam über die Au fast bis ans Haus“, berichtet Wiebke Wiese aus Erzählungen. Als das Wasser zurück ging, standen nur noch die Findlinge an ihrer ursprünglichen Stelle und der Bohlenspeicher dort, wo er noch heute steht. Das Gebäude erhielt dann ein Fundament aus Zement, wurde erweitert und mit Ziegeln versehen und innen gefliest. Trotzdem steht es noch in der Liste des Kulturgüter des Amtes für Denkmalschutz. „Wir haben überaus großes Glück, dass wir in der Probstei noch relativ viele dieser Gebäude in archaischer Bauweise haben“, betont Köster. Deswegen hält das Landesamt für Denkmalschutz alle Speicher für schützenswert – unabhängig von den Veränderungen die sie erfahren haben.

Bohlenspeicher auf dem Grundstück von Familie Wiese

Denn der Speicher auf Wieses Grundstück ist nicht der einzige, der verändert wurde. Der Bohlenspeicher von Fiefbergen wurde von versetzt. Dazu wurde er mit einem Autokran auf einen Tieflader gesetzt und quer durchs Dorf gefahren. Die Gebäude in Stakendorf wurden erweitert und überbaut; in Wisch hat der Speicher gleich vier unterschiedliche Bauphasen durchlebt.

Als besonders schön wird in der Fachliteratur der Bohlenspeicher auf dem Grundstück der Familie Sinjen – ebenfalls in Barsbek – genannt. „Hier erkannt man noch wunderbar den klassischen Bohlenspeicher“, sagt Köster. Bei dem vermutlich 1549/50 erbaute Gebäude lässt sich die klassische Bauweise erkennen, mit der Tür in der Mitte und den rechts und links gelagerten Kammern.

Restaurierter Bohlenspeicher auf dem Grundstück der Familie Sinjen in Barsbek

„Die Bohlenspeicher sind kulturlandschaftlich prägend“, betont Experte Köster. Zwei der historischen Bauwerke stehen deshalb auch im Freilichtmuseum in Molfsee – sie stammen aus Brodersdorf und Krummbek. Wer sich die Kulturdenkmäler in der Probstei ansehen will, sollte auf Grundstücksgrenzen achten. Denn auch wenn die Wirtschaftsgebäude sehenswert sind – sie stehen auf Privatbesitz.

 

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