Nachgefragt bei… André Lange: Was kann der KiteTrainer?

Was ist das für ein Ding, das dort hinten auf den Wellen schaukelt? Es sieht aus wie ein dickes, rundes Gummiboot. Oder ist es eine Badeinsel? Aber warum hängt da eine Kite-Matte dran? An der Seite des grauen Gummi-Donuts steht „KiteTrainer“ – also ein Übungsgefährt? Da muss ich doch mal nachfragen.

Moin, Andre! Du bist der Entwickler des „KiteTrainers“. Wozu dient die Gummi-Insel?
Andre Lange: Als ich meine Ausbildung zum Kitetrainer gemacht habe, habe ich festgestellt, dass die Schulungen nicht optimal auf die Schüler ausgerichtet sind. Der Lernprozess ist unheimlich komplex. Der Schüler muss den Kite lenken, das Bord ausrichten und auch noch alles unter Kontrolle halten. Das überfordert viele. Mit den „KiteTrainer“ will ich den Schülern die Angst nehmen.

Und wie funktioniert das?
Der „KiteTrainer“ wird an einer Boje oder einem Treibanker befestigt. Der Lehrer – und gegebenenfalls noch andere Schüler – sitzen auf dem Rand und der Schüler wird erst einmal an der Schwimminsel gesichert – angeschnallt sozusagen. Auch das Kitebrett ist an der Plattform des „KiteTrainers“ befestigt. Geübt wird mit einer Matte unseres Partners „FlySurfer“. Die entwickeln nicht so viel Zug. Da der Schüler zudem gesichert ist, kann erstmal nichts passieren – alle Kräfte werden mit Sicherheitsleinen kompensiert.

Das heißt, der Schüler zieht beim Üben die ganze Insel mit sich?
Ja. Aber nur so weit wie die Ankerleine reicht.

Aber in Stehrevieren braucht eine Wassersportschule sowas doch nicht, oder?
Doch. Auch hier gibt es Unebenheiten wie Löcher im Grund, die im Wasser nicht zu sehen sind. Oder andere Wassersportler sind ebenfalls auf dem Wasser unterwegs. Hier besteht immer die Gefahr von Verletzungen oder Unfällen. Von vielen Schulen werden solche Risiken ignoriert.

Man kann den „KiteTrainer“ dann ja auch dort ankern, wo keine andere Leute üben.
Genau. Die Schüler werden dann mit einem kleinen Motorboot dort hingebracht und können ohne Angst vor den Kräften des Windes das Kite ausprobieren. Mit den „KiteTrainer“ macht es von der ersten Minute an Spaß. Je länger der Schüler übt, desto mehr werden die Leinen gelockert, bis er ausreichend Sicherheit hat. Und: Windrichtung und -stärke ist relativ unerheblich. Man kann auch bei wenig Wind oder bei Welle üben – und je nach Windrichtung wird der „KiteTrainer“ dann etwas weiter draußen auf dem Wasser positioniert.

Wie viele „KiteTrainer“ habt ihr denn schon auf dem Markt?
Unser Start-Up ist seit vier Jahren dabei und wir haben bestimmt schon zehn Prototypen gebaut. Mittlerweile haben wir den „KiteTrainer“ an elf Wassersportschulen vermietet.

Was kostet der „KiteTrainer“ denn?
Er kann für 24 Monate für 199,- Euro im Monat gemietet werden. Zwei Wochen hat der Kunde Zeit, ihn auszuprobieren. Der Donut und die Plattform lassen sind in zwei Taschen packen und relativ schnell aufpumpen. Das Material ist robust, für die Plattform benutzten wir SUP-Material. So kann der „KiteTrainer“ auch im Wasser geparkt werden, bis er seinen nächsten Einsatz hat.

Was sind für dich die hauptsächlichen Vorteile des „KiteTrainers“?
Meiner Meinung ist er ideal für Wassersportschulen. Zum einen können die Zentren jetzt Schnupperkurse anbieten, ohne dass die Schüler Angst haben müssen – das geht mit der Matte auch bei wenig Wind. Zum anderen war es bisher immer so, dass die Funsport-Aktivitäten wie SUP oder Banane-fahren bei mehr Wind und Welle nicht möglich sind. Da käme dann jetzt der „KiteTrainer“ zum Zug. Er bietet also eine perfekte Ergänzung zum Schulungsprogramm – auch für Schulen, die bisher noch nicht daran gedacht haben, Kite-Kurse anzubieten.

Wie geht es denn bei euch jetzt weiter?
Wir wollen noch mehr Partner gewinnen, uns innerhalb der EU vergrößern und natürlich gibt es immer noch Kleinigkeiten, die wir verbessern können. Meistens kommen mir neue Idee, wenn ich auf dem Wasser war. Mittlerweile haben wir Anfragen aus Peru, Kolumbien und Dubai – das ist schon verrückt, wo man überall kiten kann.

Kann man den „KiteTrainer“ irgendwo ausprobieren?
Ja, wir haben immer wieder Schnuppertage. Auf unserer Internetseite kann man sich ansehen, wo schon „KiteTrainer“ stehen.

Viel Erfolg!

Kiten lernen ohne Angst: mit den KiteTrainer. (Foto: Lange Erfolg GmbH)
Kiten lernen ohne Angst: mit den KiteTrainer. (Foto: Lange Erfolg GmbH)

In der Rubrik „Menschen am Meer“ stellen wir Personen und ihre Projekte vor, die sich mit mit dem Meer, seiner Flora und Fauna, und dem Leben mit und auf dem Wasser beschäftigen.

Über Anne_Kueste 128 Artikel
Moin. Ich heiße Ann-Christin Wimber, bin Freie Journalistin, Autorin und Bloggerin. Ich schreibe seit 15 Jahren für zahlreiche Fach- und Publikumszeitschriften, betreibe das Internetportal europas-kuesten.de und habe bis dato zwei Bücher verfasst. Natürlich beschäftigen sich diese mit dem Meer im weitesten Sinne ("Meerglas - suchen, finden, bestimmen" (2014); "Familienerlebnisführer für die Probstei und das Umland" (2017)). Mit dem Blog "Mein Meer" will ich das teilen, was mir am Herzen und meiner Seele am nächsten liegt - das Meer mit allen seinen Facetten.

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