Seegraswiese: Kinderstube der Wassertiere

Ich muss zugeben: Früher waren mir Seegraswiesen unter Wasser immer unheimlich: Da wurde es plötzlich dunkel am Meeresgrund und ich hatte Angst vor dem, was dort wohnen und mich in den Zeh beißen könnte.

Seit ich schnorchele, sehe ich die Wiesen etwas anders. Vor allem bei sonnigem Sommerwetter, wenn die Strahlen bis auf den Meeresboden scheinen, und die wogenden Gräser gemächlich zu winken scheinen, haben die Seegraswiesen etwas Mystisches, Geheimnisvolles, Einladendes an sich. Hier verstecken sich Strandkrabben, kleinere Fische und auch Seesterne. Der Fischnachwuchs läuft hier nicht Gefahr, von der Strömung weggetragen zu werden. Deshalb kommen Fischmütter zur Eiablage hierher.

Im dichten Seegras verstecken sich gerne Fische und andere Meerestiere.

Gefressen wird Seegras nicht. Nur in der Nordsee dient es Ringelgänsen und Pfeifenten auf ihrem Weg aus den sibirischen Brutgebieten in ihre Winterquartiere als Futterstation. Es dient dazu, das Meer mit Sauerstoff zu versorgen – und hier kommt der Umweltschutz ins Spiel. Durch die Überdüngung der Meere werden immer mehr Seegraswiesen mit Mikroalgen überwuchert, verfilzen und sterben ab. Weniger Seegras bedeutet, weniger Sauerstoff. Weniger Sauerstoff bedeutet weniger Fische. Weniger Seegraswiesen bedeuten aber auch weniger Küstenschutz, weil – ähnlich wie das Dünengras – das Seegras den Sand am Meeresboden hält.

Wenn ich jetzt Schnorcheln gehe, halte ich mich meistens an den Buhnen oder über Seegraswiesen auf. Denn es gibt nichts witzigeres, als einer Strandkrabbe bei ihrem Lauf über den Meeresboden in Richtung Wiese zu beobachten – und sie vielleicht ein wenig zu erschrecken…

Nun schnell ins Versteck – Strandkrabbe auf der Flucht ins Seegras-Versteck

Ein interessantes Datenblatt zum Seegras findest du bei der Schutzstation Wattenmeer.

Über Anne_Kueste 98 Artikel
Moin. Ich heiße Ann-Christin Wimber, bin Freie Journalistin, Autorin und Bloggerin. Ich schreibe seit 15 Jahren für zahlreiche Fach- und Publikumszeitschriften, betreibe das Internetportal europas-kuesten.de und habe bis dato zwei Bücher verfasst. Natürlich beschäftigen sich diese mit dem Meer im weitesten Sinne ("Meerglas - suchen, finden, bestimmen" (2014); "Familienerlebnisführer für die Probstei und das Umland" (2017)). Mit dem Blog "Mein Meer" will ich das teilen, was mir am Herzen und meiner Seele am nächsten liegt - das Meer mit allen seinen Facetten.

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