Die Trolle von Thomas Dambo sind garantiert ein Highlight im Botanischen Garten in Boothbay, ME. Gleich vier der Kunstwerke des Dänen – aus recyceltem Palettenholz und vor Ort vom Künstler selbst und viele Freiwilligen erschaffen – verstecken sich auf dem sehr weitläufigen und abwechslungsreichen Gelände.
Auf mehr als 300 Hektar breiten sich gärtnerische Welten aus – von stillen Waldpfaden bis zu üppigen Staudenbeeten – die das Auge erfreuen und gleichzeitig Lehrpfad sein wollen. Sie reichen bis an die Ufer des Back River herunter und bilden blühende Inseln inmitten der herben Waldlandschaft Maines. Dabei wirken die Trolle ‚Roskva‘, ‚Lilja‘, ‚Gro‘, ‚Sören‘ und ‚Birk‘ wie ein Zugband – während ‚Roskva‘ gleich am Eingang, nur wenige Meter hinter dem Lerner Visitor Center, zu finden ist, sitzt ‚Gro‘ am hintersten Ende am Wasserfall und dem Rhododendrongarten.





Die meisten Gärten finden sich gleich hinter dem Eingangsbereich. Das fast schon riesig anmutende Lerner Visitor Center deutet darauf hin, was hier in der Saison los ist. Jetzt im Mai haben sich nur ein paar hartgesottene Fans und Familien hierher verirrt. Kein Wunder – fängt die Natur doch auch gerade erst an, sich zu entfalten. Im Three Sisters Garden, der die Lehren der Ureinwohner in Bezug auf Umgang mit der Natur aufgreift, dominieren die ersten blühenden Bodendecker die Beete, während die Bäume noch auf ihre Laubpracht warten. Auch im Schmetterlingshaus ist noch nicht viel Betrieb.
Dahinter bildet der Lerner Garden of the Five Senses mit duftenden und teilweise essbaren Pflanzen, unterschiedlich beschaffenen Wegen, Windspielen und plätschernden Wasserläufen einen Hort der Entschleunigung. Er ist explizit für Menschen mit Seebeeinträchtigung angelelegt worden. Es rauscht und klimpert, duftet und unter den Füßen wechseln sich Kies und Steine, Holzschnitzel und Platten ab.


Die angrenzenden Gartensegmente feiern die Vielfalt Maines: rund um den Cleaver Lawn stehen Hartriegel (dogwood), die im Frühjahr auffällig blühen und im Herbst durch die leuchtende Färbung der Blätter begeistern; im Reiser Woodland Garden zeigen Urweltmammutbäume (dawn dogwood), dass einst als ausgestorben geltende Nadelbäume noch immer prächtig anzuschauen sind. Für kleine Gäste besonders schön: im Alfond Children’s Garden, inspiriert von den Geschichten maineischer Kinderbuchautoren, können Kinder Peter Rabbit treffen und im Gartenhaus spielen. Etwas weiter im Wald verborgen befindet sich zudem ein Windspiel auf Naturmaterialien, deren Töne durch den Wald hallen, wurden sie von den Besuchern entdeckt.

Am östlichen Ende wartet der Giles Rhododendron and Perennial Garden auf seine Entdeckung – samt Wasserfall und ‚Gro‘. Wer nicht laufen mag: Ein Shuttle pendelt vom Visitor Center bis zum Rhododendrongarten und hält auch am Flussufer bei ‚Birk‘. Alle 20 Minuten fährt der Minibus am Eingangsbereich ab und seine Runde. Auf dem Gelände verstreute Bänke zeigen an, wo der Bus hält – aber der nette Busfahrer stoppt auch gerne mal und fragt, ob er den erschöpft wirkenden Besucher mitnehmen soll. Unten am Back River dürfen die Kleinsten ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Im Fairy House Village bauen sie – in der Saison auch angeleitet – Häuser für die Waldfeen.

Zurück zum Great Lawn, zum Café und den Toiletten geht es vorbei am Vaio Meditation Garden und über den in Serpentinen verlaufenden Haney Hillside Garden. Umrahmt wird dieser Kern des Botanischen Gartens übrigens von zahlreichen Wanderwegen wie dem Maine Woods Trail, der vom Hauptweg Birch Alleé abzweigt und vor allem im Sommer einen Abstecher Wert ist, oder dem Cedar Ledge Trail, der sich am westlichen Ende des Parkgeländes durch Wälder und am Back River entlang zieht.
Der Besuch im Coastal Maine Botanical Garden lohnt sich meiner Meinung nach zu jeder Jahreszeit: Es gibt viel zu entdecken, viel zu erwandern und im Zweifelsfall ist der Besuch bei Thomas Dambos Trollen den Eintritt alle Mal wert.
Bilder: A. Wimber
